• Dieser Fred soll mal als Bereich dienen, in dem ihr die Kriegsgeschichten eurer Großeltern oder Urgroßeltern wiedergebt. (Beim Frank vielleicht ja sogar noch die eigenen Erlebnisse :) ).


    Finde es total interessant Geschichten über Einzelschicksale zu hören, die man in keinem Buch nachlesen kann und oft unglaublich klingen. Nur so kann man meiner Meinung nach einigermaßen nachvollziehen, wie es ungefähr gewesen sein muss.


    Hab das Thema hier eröffnet, da ja die meisten Ahnen von uns vermutlich aus Marl kommen, aber auch weil ich gerne Geschichten über unsere Stadt erfahren möchte, die sich vielleicht während des Krieges oder kurz danach hier abgespielt haben.



    So, ich mal mal den Anfang:


    Meine beiden Opas dienen leider nicht als gute Quelle, da beide schon tot sind (den einen hab ich nicht mal kennengelernt) und wohl auch nicht gerne drüber gesprochen haben.
    Weiß nur, dass der eine an der russischen Front als Koch war und niemanden getötet hat, aber mit dem gesehenen lange nicht klar kam und der andere war bei der Marine und später in britischer Gefangenschaft. Der in britischer Gefangenschaft ist von diesen dann wohl nach Agypten als Kriegsgefangener verschleppt worden und hat da dann mehrere Jahre in der Wüste unter üblen Zuständen verbracht. Hat 6 Jahre in nem Zelt gelebt und sich sein Überleben gesichert, indem er die britischen und amerikanischen Frauen am Strand gezeichnte hat und die Bilder für Ziggaretten und Brot an Mitgefangene und Soldaten verkauft hat. Gerüchte gab es innerhalb meiner Familie über Vergewaltigungen, wie sie auch aus heutigen Gefängnissen bekannt sind, bestätigt hat mein Opa das wohl aber nicht.


    Der Opa meiner Freundin, der auch noch lebt, war damals noch sehr jung und in der Waffen-SS. Gehörte zwischendurch zu der privaten Schutztruppe vom Himmler und war später auch an der russischen Front. Unter anderem hat er mir berichtet, dass die deutschen Soldaten per Flugblatt plötzlich über das Kriegsende unterrichtet wurden und wie er dann versucht hat zusammen mit nem Kameraden per Pedes versucht hat zurück nach Deutschland zu kommen. Dazu sind sie dann immer nachts durch Wald und Wiese gelaufen und haben sich tagsüber auf Bäumen schlafen gelegt.
    Eines Tages hatten sie wohl verpasst sich schnell noch n Baum zu suchen, als es schon hell wurde und konnten sich nur noch in einem Buschgestrüpp verstecken. Als es dann Tag wurde stellten sie fest, dass dieses Gestrüpp direkt an an einer Straße lag, an der den ganzen Tag russische Soldatentrupps vorbeizogen. U.a. pinkelten diese wohl auch die ganze Zeit immer mal wieder in den Busch in dem die beiden lagen. Man stelle sich die Situation mal vor: Man wird angepisst und kann sich nicht rühren!!!


    Irgendwann an einem anderen Tag in einem Feld wachten sie dann auf mit Gewehren in der Nase. Es stellte sich heraus, dass diese von anliegenden Dorfbewohnern gehalten wurden und sie konnten ihr Leben nur so retten, indem sie ihre Wertsachen abgaben. U.a. wohl eine Uhr, die ein Familien-Erbstück war. Sie wurden dann zunächst gut behandelt und etwas später der russischen Armee übergeben.


    Sie wurden dann als Waffen-SS Angehörige (erkennbar an dem Tattoo unter der dem Arm und dem Tarnanzug) direkt aussortiert in eine Gruppe von ca 200 ebensolcher und mußten mit ca 200.000 anderen Soldaten Richtung Sibirien marschieren.
    Sie vermuteten, dass sie aussortiert worden sind, weil die Waffen-SS als besonders brutal galt und später umgebracht werden sollten. So entschlossen sie sich bei einer Rast einen Wachposten zu überfallen, brachten diesen um und rannten in die Reihen der normalen deutschen Soldaten. Von diesen wurden sie dann mit Teilen des normalen grauen Feldrocks ausgestattet. Vielleicht hat nur deswegen der Opa meiner Freundin überlebt ohne den es meine Freundin gar nicht geben würde. Den Gedanken find ich echt krass.


    Naja, später hat er dann noch mehrere Jahre in nem Steinbruch, bei Waldarbeit und für Straßen und Häuserbau gearbeitet, bevor er wegen einer Malaria-Erkrankung nach Deutschland entlassen wurde.


    Ich könnte noch viel mehr schreiben, aber ich will erstmal anderen hier einen Chance geben auch noch ihre Geschichten aufzuschreiben und um zu gucken, wie groß das Interesse hier an so einem Bereich ist. Bin gespannt.

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